Zwischen schillernden Graffitis, melancholischer Musik und freshen Beats: Samy über Leben und Leidenschaft und wie er sich immer wieder selbst motiviert, weiterzumachen.

Samy Deluxe im Interview

Handwerk trifft Hip-Hop. Ein Interview mit Samy Deluxe, der die Brillux Nachwuchsinitiative „Deine Zukunft ist bunt“ unterstützt. Sein Anspruch: Jeder sollte lernen, sein Talent in die Tat umzusetzen.

Samy hält nichts von sinnloser Charity, sondern braucht einen Bezug und Leidenschaft für das Thema. Bei seinem eigenen Verein „DeluxeKidz“ kommt beides zusammen. Hier können sich Kinder ab der 5. Klasse in Graffiti, Rap und Breakdance ausprobieren.

Wo begegnet dir handwerkliches Können, das dich begeistert?

„Zum Beispiel, wenn wir auf Tour sind. Wir brauchen Leute, die die Bühne bauen, dazu Licht und Sound. Das sind handwerkliche Berufe, die ganz oft mit Schulfächern zu tun haben, die ich nicht mochte. Ich habe zum Beispiel Physik gehasst, aber wenn man sich mit Tontechnik und Engineering befasst, merkt man: Da ist Physik wichtig. Überall um mich herum sind diese kreativen Berufe, und ich bin ein Fan all dieser Leute. Für mich ist dabei ihre Arbeit nicht weniger wertvoll als das, was ich mache. Jeder hat seine Skills und trägt zum Gesamtkunstwerk bei.“

Was du auf der Bühne machst, hat viel mit Handwerk zu tun, obwohl es dafür keine klassische Lehre gibt. Hättest du dir am Anfang manchmal gewünscht, dass es wie in einem Handwerksbetrieb jemanden gibt, der dir das Fachwissen weitergibt?

„Man kann ja nichts vermissen, was man nicht kennt. Vielleicht ein Beispiel: Wir hatten in den ersten Jahren keinen Tontechniker und keinen Monitorlautsprecher. Instinktiv wird jeder Performer lauter, wenn er sich zu leise hört. Also habe ich meine Stimmbänder permanent überlastet und Glück gehabt, dass ich in dieser Zeit keine OP brauchte wie viele meiner Kollegen. Hätte ich als Lehrling im Handwerk einen Job gemacht, für den man Handschuhe braucht, wäre sicher irgendwann ein Meister gekommen, der mir erklärt hätte, wie ich mich nicht verletze.“

Du hast ein großes Studio und eine private Wohnung in Hamburg. Zwangsläufig wirst du auch Handwerksbetriebe buchen müssen – gibt es ein Aha-Erlebnis, bei dem du dachtest: „Das hätte ich jetzt auch gerne gekonnt“?

„Wenn da einer ist, der etwas wirklich gut kann, dann ist es ein tolles Gefühl, einfach daneben zu stehen und Fan zu sein. Das ist auch für mich ein ganz großer Teil meiner Message für „Deine Zukunft ist bunt“: Es ist wichtig, Fan von Menschen zu sein, die für ihr Können nicht öffentlich angehimmelt werden und doch so wichtig sind.“

Du bist zwar schon länger im Beruf, aber jedes neue Album ist vermutlich für dich immer auch ein neuer Anfang – was rätst du jungen Menschen, die in ein ganz neues Kapitel ihres Lebens starten?

„Zum Glück war bei mir die Neugier immer größer als die Angst, dass etwas nicht klappen könnte. Natürlich haben manche Menschen immer Angst vor dem nächsten Schritt. Was ich für mich selbst sagen kann: Die Dinge passieren organisch und alles, womit ich mich beschäftige, zeichnet auch die Entwicklung vor. Auch mein Unplugged-Album kam nicht aus dem Nichts – ich habe schon 2009 angefangen, mit Bands zu spielen, und habe mich zehn Jahre lang damit beschäftigt. Man muss vermutlich lernen, mit den Leuten, die um einen herum sind, zu kommunizieren, um die Ergebnisse zu erreichen, die man sich wünscht.“

Zum Malerberuf gehört es, dass Dinge und Räume durch Farbe ein neues Gesicht erhalten. Könntest du dir vorstellen, ständig in derselben Umgebung zu leben, oder bist du eher ein Veränderer?

„Auf jeden Fall Veränderer. Ganz am Anfang meiner Karriere hatte ich das „Eimsbush Basement“, das war so eine Keller-WG, die zu einem der Geburtsorte deutscher Rap-History geworden ist, später mein Studio in Sankt Pauli, jetzt gerade ein neues Loft in Berlin und dann dieses Studio, wo wir gerade sind. Ich mag einfach Orte, wo kreative Sachen entstehen. Und alles ist eine Collage – meine Texte, die Instrumente und meine Bilder. Gäbe man mir einen weißen Ort – er bliebe nicht lange weiß.“

Biografie

Samy Deluxe wurde 1977 als Samy Sorge in Hamburg geboren. Sein aus dem Sudan stammender Vater, verlässt die Familie, als Samy zwei Jahre alt ist. Früh muss sich der heutige Rapper gegen rassistische Anfeindungen behaupten. Hip-Hop gibt ihm ein Ventil für seine Wut und gleichzeitig eine Perspektive. Mit der Gruppe DYNAMITE DELUXE wird Samy Deluxe in den 90ern im deutschen Hip-Hop berühmt und schließt daran seine Solo-Karriere an. Er erhält alle relevanten Musikpreise vom ECHO über den COMET bis zum MTV Award. Den ‚Ritterschlag‘ für sein Wirken erhält er 2018 mit einem MTV Unplugged.  2019 gehen Samy Deluxe und das DLX Ensemble auf „SaMTV Unplugged“-Tour. Neben seiner musikalischen Karriere setzt sich Samy für viele soziale Projekte ein. Mit DeluxeKidz hat er einen Verein für Kinder und Jugendliche gegründet, die von Künstlern und erfahrenen Coaches geleitete Workshops in Graffiti, Breakdance, Rap und Djing anbieten, oft in Zusammenarbeit mit Schulen.